»Die Kunst des Lesens — die einem im Leben zugeteilten Stunden der Langeweile gegen solche des Entzückens zu tauschen.«
Charles de Monstesquieu
Liebe Leserin, lieber Leser!
In einem sanften Wechsel hat sich der milde Herbst verabschiedet und der frostigen Winterzeit Platz gemacht. Und wenn in den Innenstädten die Lichterketten eingeschaltet sind, Tannengrün, süßer Bratapfelduft und Glühwein die Sinne betören, spürt jeder: Die besinnliche Jahreszeit hat begonnen. Und mit der verbinden ja nicht wenige eine Zeit intensiver Beschäftigung mit Lesen. Damit die winterlichen Lesestunden zu solchen des Entzückens werden, können wir guten Gewissens einige sorgfältig ausgewählte Bücher zur Lektüre empfehlen. Unser Angebot reicht von Biographien, neuübersetzten Klassikern, bewegenden, großartigen, prämierten Romanen und Erzählungen, unterhaltsamen Sachbüchern, bis hin zu Krimis und Kinderbüchern.
Was das Lesen im allgemeinen betrifft, so sind wir kürzlich bei der Zeitungslektüre auf einen interessanten Aufsatz des Autors und Journalisten Michael Jürgs gestoßen, in dem sich folgende stimmige Beobachtung fand: »Es wurden und werden zu viele sprachlose Bücher gedruckt, nach deren schon flüchtiger Lektüre man all die Bäume um Vergebung bitten möchte, die für den Schund ihr Leben lassen mußten. Es gibt aber Bücher, die werden leidenschaftlich nachts verschlungen, weil sie nur im Rausch begreifbar sind und nach deren letztem Satz sich der von ihnen verführte Leser so verlassen vorkommt wie nach dem Ende einer großen Liebe. Trost gibt es: Wer ein gutes Buch so sinnlich begriffen hat, begreift zukünftig sich selbst ein bißchen mehr.« Blättern Sie in diesem Heft und finden Sie Ihre Bücher für rauschhafte Lesenächte! Denn der Winter kann lange andauern!

Der Sonthofener Förderverein »Modernes Brauchtum« fragte in der Redaktion an, ob wir diese abgebildete Postkarte in größerer Stückzahl für unsere diesjährige Geschäftspost bestellen möchten. Möchten wir nicht, schallte es aus allen Redaktionsräumen. Zwar sei es anerkennenswert, daß statt eines mumifizierten Weihnachtsonkels in verschlissenem Kapuzenmantel endlich einmal eine fesche, schnuckelige Schönheit den Part der Bescherung übernimmt und das gewandelte Rollenverständnis in der modernen Gesellschaft demonstriert. Doch was sei das eigentlich für eine Art Bescherung, so ohne versöhnlich stimmenden Geschenkesack? Was soll man davon halten, daß die verführerisch posierende Frau mit lasterhafter Wonne die Rute dem — vermutlich männlichen — Betrachter entgegenhält? Wir begrüßen zwar die sattsam wiederholte Forderung, verstärkt Frauen in Führungspositionen zu befördern, doch die Bedenken bleiben, ob das ausgerechnet auch für bewährt maskuline Rollen gelten muß. Eine züchtigende Rute in zarter Frauenhand — da wird bei literarisch gebildeten Lesern eine grobe Empfehlung des Philosophen Nietzsche in dezente Erinnerung gerufen, während bei anderen schlüpfrige Zweideutigkeiten zu vernehmen sind. Wir fordern den gesetzlichen Verzicht von Ruten — zumindest an Weihnachten!
Wir wünschen allen unseren Lesern recht besinnliche Lesestunden!
Die nächste Lesart-Ausgabe erscheint Mitte März 2012!
Rangsdorf bei Berlin, Ende November 2011. |